Die Villa Beer in Wien-Hietzing, 1929 von Josef Frank und Oskar Wlach für die Familie Beer entworfen, wird am 8. März 2026 erstmals für Besucher geöffnet - und so ist nach Jahren intensiver Forschungs- und Restaurierungsarbeit eines der bedeutendsten Wohnhäuser der Wiener Moderne wieder in seiner ursprünglichen Qualität erlebbar.
Die Villa Beer gilt als Schlüsselwerk der österreichischen Moderne. Architekturtheoretiker Christian Kühn sagt, ihre Bedeutung könne „kaum überschätzt werden“, Friedrich Achleitner bezeichnet sie als „das wohl bedeutendste Beispiel Wiener Wohnkultur der Zwischenkriegszeit“ und international steht sie in einer Reihe mit Ikonen wie der Villa Tugendhat, der Villa Savoye oder der Villa Müller. Mit der Öffnung bietet sich nun die Möglichkeit, das Werk von Josef Frank neu zu entdecken, denn die Villa Beer markiert den Höhepunkt seines architektonischen Schaffens und steht für eine offene, menschenfreundliche Moderne jenseits dogmatischer Strenge.
Unter der Leitung von Hausherr Lothar Trierenberg und dem Architekten Christian Prasser (cparchitektur) wurde die Villa Beer in enger Zusammenarbeit mit Experten, Handwerksbetrieben und dem Bundesdenkmalamt instandgesetzt, während Alexandra Sagmeister die restauratorischen Untersuchungen, die der Sanierung voran gingen, leitete. Ziel dabei war, das Haus vor dem Verfall zu bewahren und langfristig zu sichern, sowie den einzigartigen Charakter des Hauses wieder herzustellen und zugleich an die geplante Nutzung anzupassen. Das Haus war im Laufe seiner Geschichte zwar mehrfach umgebaut worden, eine grundlegende Sanierung hatte jedoch lange Zeit nicht stattgefunden - und so wurden im Zuge der aktuellen Renovierung die Bereiche vom Erdgeschoss bis zum ersten Obergeschoss wieder in ihrer ursprünglichen Raumabfolge erlebbar gemacht. Dazu wurden beispielsweise nachträglich eingefügte Fenster geschlossen und zusätzlich eingezogene Wände entfernt.
Die offene Raumfolge, die lichtdurchfluteten Innenräume und die außergewöhnliche Materialität prägen nun das Haus wieder so, wie sie gedacht waren. In einem ersten entscheidenden Schritt wurde das Haus von Grund auf ein neues, stabiles Fundament gesetzt und der Keller grundlegend saniert. Die bauzeitliche Raumstruktur blieb dabei erhalten, wurde jedoch für die erforderliche Infrastruktur des zukünftigen Museumsbetriebs adaptiert. Heute beherbergt der Bereich ein Besucherfoyer mit kleinem Shop sowie Räume für Vermittlung und Verwaltung, eine Garderobe, Sanitärbereiche und Technikräume.
Im Rahmen der Kellersanierung wurde weiters die Terrasse vor dem Wohnzimmer unterkellert, wodurch ein klimatisch eigenständiges Schaulager für das Archiv der Villa Beer eingerichtet werden konnte. Die beiden Niveaus des Kellergeschosses wurden mittels eines Hublifts miteinander verbunden und ermöglichen so den barrierefreien Zugang der Sanitär- und Vermittlungsräume. Aufgrund denkmalpflegerischer Vorgaben, den Originalputz zu erhalten, konnte die thermische Gebäudehülle nicht wesentlich verbessert werden. Aber durch den Einsatz von 15 Tiefenbohrungen und zwei Wärmepumpen gelang es dennoch, das originale Heizsystem mithilfe von Geothermie und Photovoltaik nachhaltig und umweltfreundlich zu betreiben und auch die originale Verrohrung der Elektroleitungen kann durch den Einsatz von Niedervoltleitungen weiter genutzt werden.
Für die Gestaltung des Gartens zeichnet das Landschaftsarchitekturbüro Auböck + Kárász verantwortlich, das mit ihrem Entwurf bewusst den historischen Kontext des Grundstücks aufgegriffen hat - Spiegelpanele im Gartenzaun zum Beispiel verweisen darauf, dass das Grundstück ursprünglich doppelt so groß war. Beim Entwurf legte Maria Auböck großen Wert darauf, den vorhandenen Baumbestand so weit wie möglich zu erhalten - verstanden Frank und Wlach die Natur ja auch als integralen Bestandteil der gestalterischen Idee des Hauses. Besonders hervorzuheben ist die Neupflanzung zweier rund 60-jähriger Robinien (die ursprünglichen Bäume mussten aufgrund von Pilzbefall entfernt werden) vor der Villa. Die heutige Gartenanlage wurde so konzipiert, dass sie sowohl die ursprüngliche Beziehung zwischen Haus und Garten sichtbar macht als auch für Besucher als Ort für Spaziergänge und Veranstaltungen funktioniert.
Mit ihrer Öffnung wird die Villa Beer aber mehr als ein Denkmal: Sie soll zu einem lebendigen Ort für Architektur, Kultur und Forschung werden. Unter der Leitung von Katharina Egghart entsteht ein vielfältiges Programm aus Führungen, Gesprächen, Musik- und Literaturveranstaltungen, Symposien und Bildungsangeboten und ab Herbst 2026 erweitern Programme für Schüler verschiedener Altersstufen, Workshops und Akademieformate für Erwachsene das Angebot.